Rundgang Station 12:

"Bischof-Korum-Haus"

In der Sichelstraße stand einst das ehemalige Bischof-Korum-Haus, das seit April 1942 als Sammelgefängnis für jüdische Frauen und Kinder diente. Heute erinnert eine erst 1993 angebrachte Gedenktafel an das Leid all dieser Menschen. An dieser Stelle wurde zwischen 1929 und 1931 auf Initiative der "Marianischen Jünglingscongregation" (MJC), einer katholischen Jugendorganisation, das sog. Bischof-Korum-Haus errichtet, das in den 60-er Jahren abgerissen wurde. Ab 1942 diente es als Sammelpunkt der weiblichen jüdischen Gefangenen vor ihrem Abtransport in die KZs Lublin, Theresienstadt oder Auschwitz.

Von den mehr als 400 Trierer Juden, die während der Jahre 1933 bis 1945 in die Konzentrationslager deportiert wurden, überlebten nur wenige. Lediglich 14 – andere Angaben sprechen von 20 – kehrten später in ihre ursprüngliche Heimatstadt zurück.

Geben wir am Schluss einem dieser wenigen Überlebenden, Erich Süßkind, das letzte Wort, ehe wir den Rundgang durch das Trier der NS-Zeit beenden:
"Am 27. Februar 1943 in der Morgendämmerung wurde ich mitsamt meiner Frau und meinem minderjährigen Sohn verhaftet. Ich selbst kam, wie alle jüdischen Männer, ins Gefängnis in der Windstraße, während meine Frau und mein Sohn mit den anderen jüdischen Frauen und Kindern ins Bischof-Korum-Haus gebracht wurden, wo sie unter der Bewachung der SS standen. Der Transport ging zunächst nach Dortmund. Dort wurden alle Trierer Juden - Männer, Frauen und Kinder - in den Städtischen Schlachthof (!) gebracht, wo schon Juden aus anderen Städten warteten. Es wurde ein neuer Transport zusammengestellt. Im Viehwagen zusammengepfercht, ging der Zug am 2. März ab nach Auschwitz, wo er am 3. März ankam. Während der Fahrt gab es nichts zu essen und nichts zu trinken. In Auschwitz wurden zunächst die Frauen und Kindern von den Männern getrennt. Damals sah ich meine Frau und meinen Sohn zum letzten Mal auf der Rampe." (Zenz, Geschichte der Stadt Trier, S. 120f., zit.nach StattFührer, S. 27).

 

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Bischof-Korum-Haus
Das Bischof-Korum-Haus in der Rindertanzstraße (Juni 1939)