Rundgang Station 11:

Christophstraße

In der Christophstraße 1 steht ein mächtiges graues Gebäude, in dem heute einige Bundesbahndienststellen und eine Versicherung untergebracht sind. Die Buchstaben RDBT über dem Hauptportal zeugen von seiner historischen Vergangenheit als Sitz der Reichsbahndirektion Trier. Doch für uns interessanter ist es als Sitz der Gestapo seit 1935. In Trier waren traditionellerweise die Kommunisten die stärkste aktive Gruppe gegen die Nazis.

Einen detaillierten Augenzeugenbericht hat man von dem schon erwähnten kommunistischen Widerständler Willy Torgau, der über die Misshandlungen und Demütigungen ausführlich schilderte: "Im ersten Stock befand sich die Gestapo. 1936 wurde ich dorthin gebracht und verhört. Als besondere Schikane nutzte die Gestapo einen kahlen Betonraum, ohne Fenster, von der Größe einer Besenkammer. Dieser Raum war völlig leer bis auf einen Telefonapparat, der an der Wand hing. Die Gestapo drohte: 'Wenn du was auszusagen hast, dann ruf an, vorher kommst du hier nicht raus!' Es gab nichts zu essen. Man musste in diesem Raum stehen, denn der Boden war völlig verdreckt. Die Gefangenen wurden ja nicht einmal herausgelassen, um auf die Toilette gehen zu können. Es stank wie die Pest. Ich wurde nachmittags dort eingesperrt und durfte erst am späten Abend wieder heraus. Dann brachten sie mich zurück ins Gefängnis in der Windstraße." (Stattführer, S.26)

Die Trierer Gestapo und das nahe gelegene KZ Hinzert arbeiteten eng zusammen bzw. waren personell verflochten. So unterhielt die Trierer Gestapo eine Aussenstelle in Hinzert, wo Angehörige der Geheimpolizei berüchtigte Vernehmungskommandos bildeteten.
Von diesem Gebäude ist es nur ein kurzer Weg zum Bahnhof, von wo viele Gefangene ihren letzten Weg ins KZ fanden.

 

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Reichsbahngebäude
Das Reichsbahngebäude am Balduinsbrunnen – ab 1935 Sitz der Gestapo