"Romika-Zwangsarbeiter entschädigen!":

 

Aus der Pressemitteilung:

"Zum Tag des Gedenkens der Opfer des Nationalsozialismus (27. Januar 2000) forderte die Arbeitsgemeinschaft Frieden Trier mit einer Mahnwache vor Romika: "Romika-Zwangsarbeiter entschädigen!"
Der Arbeitskreis "Trier in der NS-Zeit" der Arbeitsgemeinschaft Frieden hat in einem Brief die Firma Romika aufgefordert, sich am Stiftungsfonds der deutschen Wirtschaft zur Entschädigung der Zwangsarbeiter während der NS-Zeit zu beteiligen. Der Arbeitskreis vertrittt die Auffassung, dass sich Romika vor der historischen Verantwortung nicht drücken darf, insbesondere weil Romika Zwangsarbeiter aus dem Konzentrationslager Hinzert unter menschenunwürdigen Bedingungen beschäftigt habe. Das belegen u.a. die Erinnerungen von Metty Barbel einem luxemburgischen Überlebenden des KZ Hinzert, der dort mit 19 Jahren eingeliefert wurde (siehe Bericht)." So mussten Häftlinge unter miserablen Bedingungen Gummischuhe und Dichtungen für Minen herstellen. Die AGF forderte außerdem die Stadt auf, dem Entschädigungsfond beizutreten, denn Zwangsarbeiter wurden z.B. auch beim Bau des Brandlöschweihers auf dem Domfreihof und von Entwässerunsgräben eingesetzt.
Nach einem Gespräch mit dem Romika Geschäftsführer Marco Guicciardi nach der Mahnwache am 27.1.00, sicherte dieser Nachforschungen zu und einige Tage später trat Romica auch dem Entschädigungsfond bei.
Die deutschen Städte bekennen sich zu ihrer Mitverantwortung für das in der Nazi-Zeit an Zwangsarbeitern begangene Unrecht. Auch Triers OB Schröer kündigte am 21.2.200 die Beteiligung der Stadt Trier am Stiftungsfond, "Betroffenheit verjährt nicht" sagte Schröer. Anfang April 2000 konnte eine weitere Firma, die "Trierer Walzwerke", wohl ausgelöst durch eine schriftliche Aufforderung der AGF, zum Beitritt bewegt werden. Eine Anfrage aus Russland blieb allerdings ungekärt, darin hatte die Schwester eines ehemaligen Zwangsarbeiters angefragt in welchem Betrieb ihr Bruder Alexej Lipanow in der Zeit vom 18.2.1944 bis 19.3.1945 gearbeitet habe. Er habe im Arbeitskommando 310 bei der Reinigung in der Stadt Trier mitarbeiten müssen.

Bericht eines luxemburgischen Zwangsarbeiters aus dem KZ Hinzert:

Erinnerungen von Metty Barbel, in: "Student in Hinzert und Natzweiler. 2915 alias 2188 erinnert sich", Luxembourg 1992, S.91-92: "Dichtungen für Tellerminen.

Die Gummifabrik, in der Nähe von Trier, hatte die Produktion auch auf Kriegsrüstung umgestellt. Unsere Arbeitskolonne fährt jeden Morgen von Reinsfeld aus zur Fabrik. "Kommando Romika-Pluwig-Gusterath" hieß es im Lager. Gegen acht Uhr lösen wir die Nachtschicht ab, meist serbische Kriegsgefangene, an den Dampfdruckpressen in der großen Werkshalle ab. Es ist eine aufreibende Hetzarbeit in der von Gummigeruch, Dämpfen und Abgasen stinkigen, warmen Halle. Doch was tut's, wir sind wenigstens vor Nässe und Kälte geschützt. Jeder muss zwei Druckpressen abwechselnd bedienen. ... Kaum ist die Presse wieder in Gang gesetzt, rasselt schon die Schelle der anderen zu meiner linken. Herausziehen, Formenfüllen, einschieben. So geht es fast ohne Unterbrechung bis abends um fünf. Der Kommandoführer, ein SS-Oberscharführer (Oehler), schnüffelt hin und wieder in den großen Kasten mit den Dichtungen.

Stöbert er mal eine angebrannte Dichtung auf, schielt er uns scharf über sein "vergoldetes" Brillengestell an und warnt mit näselnder Sachsenstimme: "Uffgepaßt Kerle, keene Sabotage, sonst kracht's!" Anfangs kommt keiner mit der Arbeit flink genug zurecht. Wir sengen nicht nur manche Gummidichtung, sondern was schlimmer ist, unsere Fingerspitzen. Das Schlimmste ist das ständige Einatmen der Gummigase. Keiner hält es lange auf diesem Kommando aus. Mit Husten, Durchfall, Kopf- und Bauchschmerzen landen die meisten im Revier. Nach fast zwei Wochen liege auch ich mit einer fiebrigen Bronchitis auf dem Krankenbett im Revier. Nach drei Tagen werde ich dem Stubendienst auf Baracke 4 zugeteilt. Ich bin schwach, meine jungen Kräfte sind fast aufgezehrt. Zum Glück lande ich später beim "Kommando Mariahütte". Hier sind die Aufräumungsarbeiten nicht zu schwer, und dort beschäftigte französische Kriegsgefangene überlassen uns jeden Mittag ihre Suppe und ihr Brot. Vier bis fünf Teller löffelt ein jeder von uns mühelos aus."